Sonntag, 8. Mai 2011

Weniger ist mehr

„Ein Beamter sitzt im Büro. Da kommt eine gute Fee und sagt ihm, dass er drei Wünsche frei hätte. Der Beamte wünscht sich auf einer Insel mit Palmen und Sonnenschein zu liegen. Umgehend geschieht dies und so liegt der Beamte am schönsten Strand der Welt mit Palmen und Sonnenschein. Als er seinen zweiten Wunsch, von knackigen, wohlgeformten, einheimischen Mädchen am Strand verwöhnt zu werden, artikuliert, geht auch dies sofort in Erfüllung. Als letztes wünscht er sich nie wieder zu arbeiten, keinen Stress mehr zu haben und nur noch erholsame Ruhe geniessen zu können…
…*puff* und schon sitzt er wieder im Büro“

                                                                        
Dieses in der Gesellschaft verbreitete Bild des unterbeschäftigten Beamten bzw. die zynische Abhandlung dessen, muss in der Arbeitskultur unserer Staatsangestellten Spuren hinterlassen haben. Anders ist die inflationäre Zunahme von Gesetzen und unnötigen bürokratischen Prozessen nicht zu erklären. Und wenn die staatliche Regulierung und Bevormundung im selben Tempo weiter geht wie bisher, dann scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis uns Bürgern vorgeschrieben wird, welches Toilettenpapier wir wie zu verwenden haben.
Auch wenn dies an dieser Stelle ein wenig despektierlich klingen mag, so ist es doch Tatsache, dass uns die Regulierungsflut allenthalben zu überschwemmen droht. Wer zum Beispiel seinen Garten pflegen will, müsste zuvor das dazugehörige 500 seitige Reglement lesen. Wer einem KMU-Geschäftsführer fünf Minuten zuhört, der würde am liebsten die Produktion von Papier verbieten.
Natürlich scheint ein starker Staat auf den ersten Blick auch attraktiv. Sorgt er doch für Ruhe und Ordnung. Bei differenzierterer Betrachtung kann man darin aber auch einen Teufelskreis sehen: Der sich selbst aufblähende Staat ver- und bestärkt seine Legitimation durch diese Ordnungsfunktion, die nur deshalb von einem immer grösseren Staatsapparat durchgesetzt werden muss, weil der bevormundete Bürger sicher länger wie mehr der Eigenverantwortung entzieht.
Der Entzug der gesellschaftlichen Eigenverantwortung ist nicht nur aus liberal-ideologischer Sicht tragisch, sondern kostet der Bevölkerung logischerweise ein Haufen Geld (Regulierungen verfassen bzw. überprüfen, Missachtungen sanktionieren etc.).
Am meisten unter diesem staatlichen Durchlauferhitzer leidet der Mittelstand. Denn während die Armen finanziell vom Sozialstaat profitieren und die Reichen zwar lauthals über zu hohe Steuern fluchen, aber ohnehin nicht wissen, was sie mit den Millionen anstellen sollen, wird der konsumtreibende Mittelstand dort geschröpft, wo's ihm am meisten weh tut - in seinem für den Konsum zur Verfügung stehenden Freibetrag.

Eine liberale Grundhaltung reduziert sich deshalb nicht nur auf das (Wirtschafts-)Dogma „freier Markt“, sondern erstreckt sich über jeden Gesellschaftsbereich, da die Eigenverantwortung des Bürgers den Kern dieser Ideologie darstellt. Dass dadurch wie aufgezeigt der Staat entschlackt und die (wirtschaftliche) Wohlfahrt der Bevölkerung gesteigert wird, scheint dabei ein erträglicher Nebeneffekt.

Keine Kommentare: