Wie im Fussball müsste man auch in der Politik eigentlich die Meinung vertreten, dass es keine jungen bzw. alten Politiker gibt, sondern nur gute oder schlechte. Der Blick in die Parlamente aller Ebenen zeigt uns jedoch, dass die Jungen signifikant untervertreten sind. Muss man daraus schliessen, dass ältere Politiker die besseren sind?
Kein Netzwerk – keine Lobby
Je mehr Lebensjahre ein Mensch mitbringt, desto mehr Leute kennt er. Dieser Grundsatz gilt noch viel mehr für die Politik. Eingestandene Politiker haben ein viel grösseres Netzwerk und sind damit breiter in Gesellschaft, Wirtschaft und eben Politik abgestützt. Doch nützt dies auch der Gesellschaft, für die der Politiker in erster Linie utilitaristisch einstehen sollte? Pragmatisch gesehen eher weniger. Denn mit einem wachsenden Netzwerk steigt auch die Abhängigkeit der Person. Dort einen Gefallen, hier noch ein Zugeständnis – schliesslich ist man ja befreundet bzw. vernetzt.
Jungpolitiker haben diese Bürde nicht und vertreten deshalb nur sich selbst. Wählt man einen Jungen, wählt man noch das, was man wählen will und nicht das determinierende Netzwerk hinter einer fassadenhaften Persönlichkeit.
Jungpolitiker haben diese Bürde nicht und vertreten deshalb nur sich selbst. Wählt man einen Jungen, wählt man noch das, was man wählen will und nicht das determinierende Netzwerk hinter einer fassadenhaften Persönlichkeit.
Leistungsschuldig
Amtsmüdigkeit ist kein Phänomen. Viele Politiker, die lange dabei sind, haben ihre Innovationskraft verloren. Dies ist nicht zuletzt auch System bedingt. Während die Jungen sich in der Politik inhaltlich und persönlich noch beweisen müssen, zehrt die ältere Generation mehr oder weniger legitimiert an den einst geleisteten Errungenschaften. Einem Jungpolitiker kann man also ruhig glauben, wenn er versichert, etwas leisten zu wollen.
Heute und morgen
Was ist wichtiger, heute oder morgen? Zugegebenermassen ist diese Frage bescheuert, denn ohne heute gibt’s kein morgen. Wer also in der Gegenwart nicht an die Zukunft denkt, der handelt zu spät. Wer allerdings in der Zukunft mehr zu verlieren, als zu gewinnen hat, der denkt verständlicherweise eher an heute, als an morgen. Während also zum Beispiel die kurz vor der Pension stehende politische Mehrheit im Parlament Sessions für Session Massnahmen bezüglich Rentenproblematik zum Teil aus Eigennutz verzögert, fürchtet die junge Bevölkerung den Rentenkollaps immer mehr.
Aus diesen Gründen braucht es nicht nur in unserer Handlungsleitlinien einen vernünftigen Ausgleich zwischen heute und morgen – es braucht ihn auch im Parlament!
Kein naturalistischer Fehlschluss
Erläutertes soll in keiner Weise unsere erfahrenen Politiker diskreditieren. Schliesslich profitieren Jungpolitiker von deren Erfahrung. Ein Staat kommt genauso wenig wie ein Unternehmer weder ohne Lehrmeister, noch ohne Lehrlinge aus. Und so ist es langsam an der Zeit zu realisieren, dass eine gute intergenerationale Mischung nur dann erreicht werden kann, wenn man selbst den Mut hat, Jungpolitiker zu wählen.